„Manchmal stell ich mir die Sicht auf die Erde aus dem Weltall vor, dann wirken all unsere kleinen Probleme irgendwie nicht mehr so groß“

Ein Interview mit Max von der Groeben

Am 5. Dezember startet „Auerhaus“ in den deutschen Kinos. Im Film von Neele Leana Vollmar nach dem gleichnamigen Roman von Bov Bjerg gründen vier junge Freunde unter den skeptischen Augen der dörflichen Nachbarn eine WG. Sie wollen ihrem durchgeplanten Leben entfliehen und es anders machen. Einer dieser Freunde ist Frieder, gespielt von Max von der Groeben ( u.a. Fack ju Göhte).

Max von der Groeben dreht derzeit bei unseren Nachbarn in Luxemburg und hat sich für Bewegtes St. Wendel trotzdem Zeit genommen, um uns im Interview ein paar Fragen zu beantworten.

Kannst Du uns Deine Rolle in drei Sätzen beschreiben?

Frieder ist jemand, den man erstmals sehr gerne hat. Auch wenn er nicht viele Freunde hat, ist er kein Außenseiter, sondern eher ein „Loner“. Er ist in seinen Aktionen oftmals ein wenig unberechenbar, und er hat ein Problem: er ist suizidgefährdet.

Frieder ist eine zerrissene Person, die ihr Leben beenden möchte. Wie hast Du Dich auf diese Rolle vorbereitet? Wieviel von Frieders Einstellung kannst Du nachvollziehen, was kannst Du gar nicht nachvollziehen?

Ich habe mir Dokus und Berichte zum Thema Selbstmord angesehen. Und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich Frieder und auch andere Suizidgefährdete, auf der einen Seite voll und ganz verstehe und gleichzeitig auch gar nicht. Denn die Sache ist die, suizidale Gedanken sind eine psychische Erkrankung und die Betroffenen sind in der Regel fest davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Und genau das ist für „gesunde“ Personen natürlich erstmal nicht so ganz nachzuvollziehen.

Es geht im Film ums Erwachsenwerden. Denkst Du, dass es mittlerweile in unserer Gesellschaft zum „guten Ton“ gehört, Coming of Age Probleme zu haben? Oder war es vielleicht schon immer so, dass sich eine Generation von Heranwachsenden gegen birth-school-work-death aufgelehnt hat?

Ich glaube, dass in jeder Generation Heranwachsende in eine Phase kommen, in der sie zunächst einmal nicht ganz genau wissen, wohin der Weg jetzt geht. In der heutigen Zeit tritt diese Phase vielleicht in verstärkter Form auf, da man sich durch Social Media, immer mit seinen Mitmenschen vergleicht und sich somit gar nicht mehr auf sich selbst konzentriert.

Ist es immer gut, die Wahl zu haben, sich entscheiden zu können oder wäre es vielleicht auch besser, wenn man nicht immer die Wahl hätte, was man tun kann? (Ich denke an die Generation unserer Großeltern, die nicht unbedingt die Wahl hatten, was sie mit ihrem Leben anstellen. Die mussten bspw. die Betriebe der Eltern übernehmen)

Ich denke, die freie Wahl ist definitiv der bessere Weg. Und auch der Moderne. Langfristig stärkt es den Geist und die Persönlichkeit nur, wenn man mal schwierige Entscheidungen treffen muss. Zumal ich auch der Meinung bin, dass man langfristig glücklicher ist, wenn man für das, was man gerne machen möchte, kämpft und auch einsteht.

Womit hattest Du am Meisten zu kämpfen im Übergangsalter?

Mit meiner beruflichen Zukunft. Nach meinem Abitur musste ich mir auch überlegen, ob ich dem Traum von der Schauspielerei wirklich mit all seinen Konsequenzen nachgehen möchte. Ich habe mich dafür entschieden, ging auf die Schauspielschule, und bis jetzt hat es sich ausgezahlt:

Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich tue.

Hast Du rebelliert?

Es geht. Von meinen Eltern aus hatte ich relativ viele Freiheiten. Meinen Eltern war es nur wichtig, dass ich irgendwas verfolge und nicht nur faul zu Hause sitze und Däumchen drehe. Da war ich aber auch nicht der Typ für. Ich habe dann zunächst sportliche Ziele verfolgt, und nach meinem Abitur rückte dann die Schauspielerei immer stärker in den Vordergrund.

Hast Du ein Geheimrezept, um aus dem Kreislauf birth-school-work-death auszubrechen?

Das Leben nicht zu ernst nehmen und sich auch bewusst Zeit nehmen für die Dinge, die einem Freude bereiten. Manchmal stell ich mir die Sicht auf die Erde aus dem Weltall vor, dann wirken all unsere kleinen Probleme irgendwie nicht mehr so groß.

Gibt es etwas, was Du zuletzt zum ersten Mal getan hast?

Ich bin momentan zum ersten Mal in Luxemburg. Ich sammle hier viele neue Eindrücke und lerne neue Leute kennen. Das bereichert einen immer besonders, finde ich.

Was von Frieder nimmst Du für Dich mit?

Für mich wirkte es manchmal so, als versuche Frieder Höppner mit auf den Weg zu geben, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Und das versuche ich auch.

Interview: Tine Sattler

Foto: Christian Hartmann

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