Die Känguru-Chroniken – Filmkritik

Heute ist es für mich und viele weitere Marc-Uwe Kling-Fans endlich soweit! Ab heute hüpft das kommunistische Känguru, das zusammen mit dem Kleinkünstler Marc-Uwe in einer WG in Berlin lebt, über die deutschen Kinoleinwände.

Und vorne weg: Diese Filmkritik ist gleichzeitig auch eine Botschaft an Fans, wie ich selbst es einer bin: Marc-Uwe Kling („QualityLand“, erschienen 2017 im Ullstein Verlag, wird gerade von HBO als Serie verfilmt) ist kein Schauspieler, also spielt er sich nicht selbst. Und das ist okay, Darsteller Dimitrij Schaad trifft vielleicht nicht ganz Marc-Uwes ureigene verrückte Seite, aber er macht seinen Job sehr solide. Marc-Uwe spricht dafür das Känguru, hat einen kleinen Cameo-Auftritt und ist auch kurz als Erzähler zu hören. Darüber hinaus ist er auch der Drehbuchautor, also kann man sich sicher sein, dass mit der Vorlage wirklich kein Schindluder getrieben wurde.

Wenn ihr jetzt aber anhand dieser Komponenten einen Film erwartet, der sehr damit spielt, was in den Büchern bzw. Hörbüchern über eine mögliche Verfilmung der Känguru-Chroniken gewitzelt wurde, muss ich euch enttäuschen: Der Film nimmt sich selbst schon ernst, auch um neue Leute an das Känguru heranzuführen. Also könnt ihr solche Zitate wie ‚In jeder zweiten Einstellung die amerikanische Flagge‘ oder ‚eine Einstellung in 3D‘ zusammen mit eurem eigenen Müll, den ihr natürlich mitgebracht habt, getrost an der Kinokasse zurücklassen. Aber natürlich wird das Best-of der ikonischen Känguru-Sprüche abgefeuert, von ‚Halt mal kurz‘ über ‚Ach, mein dein…‘ bis zu ‚Stück ma’n rück‘. (Wie sich dieser Absatz für Uneingeweihte lesen muss…)

Es ist und bleibt Marc-Uwe Klings Ding. Man merkt allerdings auch, dass er mit seinem Drehbuch versucht hat, sehr viel unter einen Hut zu bekommen: Fans und Neulinge gleichfalls zufriedenzustellen und einen Film mit Handlung zu erzählen. Natürlich verfügt der Film nicht über den Reichtum an hintersinnigem Witz und dem ausführlichen, spielerisch-charmanten Umgang mit Ideologien wie es die Vorlage tut und das ist natürlich auch ein bisschen schade, aber eben nicht zuletzt dem Medium geschuldet. In einem Film, der schon auch massentauglich sein soll, tun sich vermehrte Referenzen auf Kultfilme wie „Pulp Fiction“ oder „The Big Lebowski“ eben leichter als solche auf Marx, Engels oder Hegel. Und natürlich verliert der Film daher auch etwas im direkten Vergleich, aber ich finde es nicht schlimm, dass Levys Film leichtere Unterhaltung als Klings Bücher ist. Der Film wird sowieso keinen Nazi zum Umdenken bewegen und ein ähnliches, eher linkes Publikum ansprechen, wie es schon die Bücher taten. Vielleicht nicht mit einem ebenso starken, ideologischen Unterbau, dafür aber mit sehr viel frechem Witz, einem knuffigen Darsteller und einem gut animierten Kleinkünstler. Ah nee, andersrum.

Ich hätte mir einfach viel mehr gewünscht. Zwar ordnet Marc-Uwe Kling den ganzen Stories, die man als Fan schon kennt, eine zusammenhängende Handlung über, aber keine Dramaturgie. So wirkt der Film eher episodisch, die Handlung wie schmuckes Beiwerk und am Ende hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass man filmisch einen Endpunkt erreicht hat. Kleinkünstler und Beuteltier machen als Figuren keine Wandlung durch, aber warum sollten sie auch? Eine solche hätte den Film an sich vielleicht runder gemacht, aber es hätte nur unnötig dazu gedichtet gewirkt, was die Handlung um den rechtspopulistischen Immobilienhai Jörg Dwigs, so wie sie ist, nicht tut. Man kann also einfach Spaß haben mit dieser lebhaften Komödie und ich wünsche mir, dass sie Erfolg hat. Denn mehr davon auf der Leinwand in einer Fortsetzung zu sehen wäre schon cool. Vor allem, wenn die Adaption noch mehr Leute an die (Hör-) Bücher heranführt, die schon jetzt nicht nur Kultstatus genießen, sondern zurecht auch als deutsches Kulturgut bezeichnet werden können!

Info:
Filmstart: 05.03.2020
Text: Nino Steffeck
Bild: X-Verleih AG

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