Guns Akimbo – Filmkritik

In „Guns Akimbo“ spielt Daniel Radcliffe den erfolglosen Videospieleprogrammierer Miles, in dessen Welt die Geilheit der Medien auf Tod und Verderben für höhere Viewzahlen derart überhandgenommen hat, dass eine Website namens ‚Skizm‘ immer mehr zum Phänomen wird, auf der reale, gewaltsame und brutale Duelle auf Leben und Tod wie Videospiele über die ganze Welt live gestreamt werden. Miles, ein Pazifist, verachtet dessen Zuschauer und trollt die Trolle, beleidigt sie wüst im Chat der Seite, bis deren Betreiber auf ihn aufmerksam werden und die verstehen keinen Spaß! Sie tracken ihn, schrauben zwei geladene Waffen in seine Hände und machen ihn zum Teil des menschenfeindlichen Spiels, in dem sie die skrupellose Killerin Nix (Samara Weaving) auf ihn ansetzen. Miles muss flüchten, was sich mit Pistolen als Hände als äußerst schwierig erweist.

Der comichafte Actionfilm hat ein großes, großes Problem: während er inszenatorisch versucht „Deadpool“ und „Kingsman“ zu kopieren, was ihm kaum gelingt, versagt er noch viel mehr darin, auch nur eine Sekunde lang eine Verbindung zum Zuschauer aufzubauen, sodass dieser Empathie für seine Charaktere entwickeln könnte: Miles als Protagonist wirkt nicht sehr sympathisch, wodurch es sehr schwerfällt, ihm durch seine sehr vorhersehbare Story zu folgen. Der Film macht schlicht und ergreifend keinen Spaß. Exakt zwei Stellen sind zum Lachen gut genug und das, obwohl die Figuren andauernd One-Liner raushauen. Da liegt auch der Hund begraben: Coole Sprüche zuhauf, deren Humor kein einziges Mal zündet, verhindern, dass die Charaktere wahre Momente der Schwäche zeigen. Dadurch bekommen ihre Handlungen keine Fallhöhe und sie verlieren eine Menschlichkeit. Man kann nicht mit ihnen mitfiebern. Dazu kommt noch das schlechte CGI-Blut, dass einen endgültig vom Leinwandgeschehen distanziert und die endlosen Schießereien nichts anderes sind als langweilig. „Guns Akimbo“ ist langweilig! Da helfen auch die ganzen intertextuellen Referenzen und der ironische Einsatz von Popsongs an brutalen Stellen nicht; all das hat man schon gesehen, und zwar in der Regel besser.

Das stupide Herunterrasseln der üblichen Plot Points unterminiert dann auch noch, dass der Film irgendeinen ironischen Kommentar auf unsere moderne Medienwelt abgeben will, indem er hin und wieder clevere Sprüche einstreut. Auch kontraproduktiv ist, wenn Miles in dem Moment, da er das erste Mal eine seiner Waffen abfeuert, im Voice-Over sagt, dass ein Schuss so laut ist, dass man einen Gehörschaden bekommt und dann im nächsten Moment eine riesige Schießerei in einem Büro stattfindet, bei der es mal wieder diesen einen Typen gibt, der einen launigen Popsong über Kopfhörer hört und nichts vom Geschehen um ihn herum mitkriegt. Wenn der Film die Welt, die er zeichnet, nicht ernstnimmt und seine eigenen Regeln bricht, wie relevant kann dann eine Aussage dieses Films über die Welt des Zuschauers sein?

Die Infantilität des Films zeigt sich in der Figur der Nix, Miles Gegenspielerin. Besonders schlimm ist jener Moment, indem sie auf dem Dach eines Autos steht, und mit einem riesigen Maschinengewehr vor der Hüfte eine Salve Kugeln in eine Gangstermeute abfeuert, und dazu brüllt: „So geil, ich krieg nen Ständer.“ Mit diesem Moment hätte Sigmund sicherlich seine Freud. Darstellerin Samara Weaving und das Kostüm und Make-Up-Department bemühen sich außerdem sichtlich, ihre beste Harley-Quinn-Impression abzugeben, sind dabei aber so authentisch wie Fruchtzwerge-Abzieh-Aufkleber.

Es ist verständlich, warum man Daniel Radcliffe in der Hauptrolle gecastet hat. Ohne den lieben Typen, der mal Harry Potter war, als Protagonisten, hätten sich manche den Film wahrscheinlich gar nicht angesehen, trotz der interessanten Prämisse. Gutes Zielgruppenmarketing an der Stelle! Auch verständlich ist, warum Daniel Radcliffe die Rolle des Miles angenommen hat: Besonders anspruchsvoll ist sie ja nicht, aber wenigstens ist die Prämisse und der Style so abgedreht und überzeichnet, dass es einen weiteren Schritt weg von ebenjenem Harry Potter-Image darstellt. Womöglich hat den Film zu drehen auch Spaß gemacht hat. Ihn zu schauen bereitet allerdings keinen. Sorry, Daniel: „Guns Akimbo“ ist ein beidhändiger Schuss in den Ofen!

Info:
Filmstart: 25.06.2020
Text: Nino Steffeck
Bild: Leonine

Diese Kritik ist auch in Videoform auf Ninos YouTube Kanal KINO NINO zu finden unter: https://youtu.be/0V0n0ZAK9aA

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