Der Boandlkramer und die ewige Liebe – Filmkritik

Der Boandlkramer und die ewige Liebe (seit dem 14. Mai auf Amazon Prime Video erhältlich) ist einerseits der letzte Film von Regisseur Joseph Vilsmaier vor dessen Tod im Jahr 2021, andererseits ist er aber auch eine lose Fortsetzung von Die Geschichte vom Brandner Kasper, der ebenfalls von Joseph Vilsmaier gedreht wurde. Bindeglied der beiden Filme ist die Figur des Tods, bzw. des Boandlkramers, gespielt von Michael Bully Herbig. Im Gegensatz zum Vorgänger ist hier in diesem Film der Boandlkramer aber die Titelrolle; es geht darum, dass er sich in eine junge Mutter namens Gefi (Hannah Herzsprung) verliebt und daraufhin einen Pakt mit dem Teufel eingeht, der es ihm erlaubt, von Menschen gesehen zu werden und auf der Erde zu wandeln. Dafür bringt der Boandlkramer aber nebenbei unabsichtlich, aber vom Teufel so vorausgesehen, die göttliche Ordnung aus dem Gleichgewicht, da niemand mehr stirbt auf Erden.

Der Boandlkramer und die ewige Liebe markiert hier als Film nicht nur die Rückkehr Bully Herbigs zur titelgebenden Figur, sondern auch gewissermaßen die Schauspiel-Rückkehr einer der größten deutschen Unterhaltungslegenden auf die große Leinwand, bzw. den Prime Video-Screen: Hape Kerkeling verkörpert den Teufel und zwar so, dass man gerne viel mehr von ihm gesehen hätte, als das was man bekommt. Das Comeback ist sozusagen geglückt.

Zu den anderen bekannten Gesichtern aus Die Geschichte vom Brandner Kasper gehören Jürgen Tonkel als einer der obersten Engel und Sebastian Bezzel in einer neuen Rolle, die allerdings mit seiner vorherigen verwandt zu sein scheint, denn Der Boandlkramer und die ewige Liebe spielt knapp 100 Jahre nach den Geschehnissen im Kasper und es findet sich eine entsprechende Erwähnung bei der Einführung von Bezzels Figur. In dieser Zeit hat sich einiges getan: Die westliche Moderne hat sich so langsam eingeschlichen im ländlichen Bayern, nicht mehr bilden Jagd und preußische Touristen das Setting in diesem bajuwarischen Lande, Autos und Fernseher gehören nun zur Normalität, auch die Russlandheimkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg und die Angst vor Kommunisten sind zentrale Themen. Eine Welt, in der eine solche Sagengestalt wie der Boandlkramer kaum noch hineinzupassen scheint, mag man denken.

Doch durch den stärkeren Bully-Herbig-Einfluss auf die Farbe des Films im Vergleich zu seinem Vorgänger ist dem in der Tat nicht so: Nicht nur spielt Herbig den Boandlkramer so süß und witzig, dass man ihn als neue Hauptfigur direkt akzeptiert, man merkt auch die tonale Veränderung des Ganzen hin zu etwas, trotz der angeschnittenen Themen, Leichtfüßigerem. Hier lässt man sich auch mal Zeit dafür, den Boandlkramer sich eines Make-Overs unterziehen zu lassen und ihn vor versammelter Mannschaft einen Laurel-und-Hardy-Tanzsketch nachspielen zu lassen. Herbigs Einfluss merkt man aber auch in der humorvollen und völlig unbayrischen Gestaltung der Hölle und in der Besetzung von Rick Kavanian in einer neugeschaffenen Rolle im Himmel. Außerdem wirkt das Ganze auch eine Spur größer als es noch der Brandner Kasper war, nicht nur in der diegetischen Welt vernetzter, sondern auch mehr für die wirklich große Leinwand produziert. Hier erlebt die Geschichte auch ein konsequent erzähltes und ja, zumindest halbwegs zufriedenstellendes Ende.

Der menschliche Gegenpart zum Boandlkramer sind in diesem Film hauptsächlich der gut aufgelegte Sebastian Bezzel als sein Sidekick, der Freude bringt und Hannah Herzsprung, die im Vergleich zu Bezzel (und vor allem zu Franz Xaver Kroetz im Vorgängerfilm) nicht ganz so überzeugend wirkt bzw. die vom Drehbuch auch keine wirklich dankbaren Facetten bekommt, die sie dann hätte zeigen können.

Bei den Nebenfiguren habe ich das Gefühl, der Film hat nicht ganz klar gemacht, was für ein Mann genau der „neue“ Freund von der Gefi, der Toni, ist, sodass er einem am Ende des Films, trotz seines gierigen Vaters schon a bisserl leid tuan kann.

Im Grunde ist Der Boandlkramer und die ewige Liebe eine Fish-out-of-Water-Komödie vermischt mit Fantasy und Heimatfilm, dazu die klassischen Elemente des Pakts mit dem Teufel, der Rettung in letzter Sekunde und einem Deus Ex Machina. Das kann man sich alles gut anschauen, hinterlässt aber nicht wirklich einen bleibenden Eindruck und wirkt insgesamt auch weniger riskant und etwas mehr glattgebügelt als der Vorgänger, der tonal noch etwas mehr spürbares Drama in Darstellung, Handlung und Inszenierung beinhaltete, aber eigentlich auch eine urige, kleine Geschichte erzählt hat, wie dieser Film es jetzt auch tut. Hier bekommen wir einen Teufel und eine todtraurige Verliebtheit dazu und fühlen uns danach weder enttäuscht noch aus dem Sessel gerissen. Klein, fein, lieb, süß, brav und ein zum Sterben schönes Bayern.

Info:
Filmstart: 14.05.2021 auf Amazon Prime Video
Text: Nino Steffeck
Bild: Leonine/Amazon Prime Video

Diese Kritik ist auch in Videoform auf Ninos YouTube-Kanal KINO NINO zu finden unter: https://youtu.be/zZFpp6ACX_Y

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